JIU JITSU
Ich hatte mir mit dem zarten Alter von 10 Jahren überlegt, ob ich nicht mit dem Jiu Jitsu anfangen soll. Dieses Angebot, das ich bekam, konnte ich nicht abschlagen. Ich trainierte einmal in der Woche 3 Stunden lang. Am 24.3.1985 war es dann so weit. Die " Wiener Landesmeisterschaft". Mir konnte man die Anspannung ansehen. Jeder von den Teilnehmern bereitete sich für den Kampf vor. Den ersten Kampf den ich belegte, verlor ich. Beim zweiten Aufruf zum Kampf war ich sehr nervös. Mein Kopf war voll mit den Gedanken, daß ich wieder verlieren könnte. Aber dann stellte sich heraus, das dieser Kampf abgesagt wurde. Mir fiel ein Stein von Herzen. Bei der Preisverleihung zitterte ich am ganzen Körper. Ich hörte nur mehr :,, Den 3. Platz bei der Wiener Landesmeisterschaft geht an Mario Müllner." Die Freude war Riesengroß. Aus gesundheitlichen Gründen musste ich mit dem Sportkampf aufhören. Es ist eine schöne Erinnerung an die Zeit als ich Jiu Jitsu ausüben durfte.
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Das ist meine Urkunde |
So schaut meine Medaille aus |
Was ist Jiu Jitsu?
Den Ursprung für die meisten Budo-Sportarten vermutet man in Verbindung mit der über 3000 Jahre alten indischen Massagekunst, in der schon über 100 schmerz- und lebensempfindliche Stellen am menschlichen Körper bekannt waren. Genaue Herkunft und historischer Ursprung des Jiu-Jitsu sind unbekannt. Verschiedene Thesen, die einander nicht ausschließen, werden dazu genannt.
Erwähnenswert ist dazu folgendes:
Jiu-Jitsu ist offenbar im Zuge des Kulturaustausches durch Mönche und Händler
nach Japan gekommen. Belegt ist aber auch, dass die Samurai waffenlose
Kampfsysteme kannten, mit denen sie sich verteidigen konnten, wenn sie vom Pferd
gefallen oder entwaffnet worden waren. Da das Sumo schon lange in Japan bekannt
war, ist davon auszugehen, dass die Ringtechniken der Krieger in Rüstungen, die
Kumiuchi genannt wurden, schon gewisse Griffe beinhalteten, die später im
Jiu-Jitsu auftauchten.
Schon im 12. Jahrhundert hat es eine japanische Schule für den Handkampf
gegeben, die von Shinra Saburo gegründet wurde. Inwieweit hier bereits
chinesische Techniken Einfluss nahmen, ist nicht nachvollziehbar.
Der eigentliche Impuls ging vom Chinesen Chin-Gen-Pin aus, der 1659 nach Japan
kam und dort drei Samurai in einer Art des chinesichen Boxens unterrichtete.
Diese Samurai verbanden diese Techniken mit dem, was sie schon kannten und
nannten es "Jiu-Jitsu", die nachgiebige Kriegstechnik.
Nachdem das Jiu-Jitsu einmal bekannt war, wurde es an vielen Schulen, die ihre
speziellen Techniken jedoch geheimhielten, vermittelt. In Büchern und
Schriftrollen waren die verschiedenen Techniken zwar beschrieben, diese
Dokumente blieben aber innerhalb der Schulen und wurden immer nur dem jeweiligen
Oberhaupt übergeben. Während der Tokugawa-Zeit gab es über 100 Schulen für
Jiu-Jitsu. Aus diesem Umstand erklärt sich die Vielfalt des Jiu-Jitsu.
In Japan selbst ist der Ausdruck Jiu-Jitsu weniger geläufig, als die unter
diesem Sammelbegriff subsummierten traditionellen Schulen beziehungsweise
Stilrichtungen wie Takeuchi, Tai Jitsu, Yoshin ryu, Shinyo ryu, Yawara, Aiki
Jitsu der Daito ryu oder Hakko ryu. All diese Stile sind im Laufe des 20.
Jahrhunderts vereinzelt nach Europa gekommen. Die meisten erreichten uns jedoch
erst nach dem 2. Weltkrieg.
Jiu-Jitsu hat eine weltweite Verbreitung gefunden. Das Weltzentrum für
Jiu-Jitsu, die Nippon Seibukan Academy in Kyoto, Japan, wurde 1968 durch die
UNESCO als B-Mitglied international anerkannt.
Japanisches Jiu-Jitsu, wie es heute noch in verschiedenen Stilformen überliefert
wird, ist weit über seinen Selbstverteidigungswert hinaus ein Lebensstil von
hoher Ethik, Ökonomie und Ästhetik. Wenngleich die Praxis einen sportlichen
Aspekt hat, so ist Jiu-Jitsu nicht in erster Linie Sport.
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Die sino-japanischen Kanji Jiu und Jitsu (von oben nach unten) |